Aller guten Dinge sind drei: Die wechselvolle Geschichte des Rowohlt Verlags

Porträt des Familienunternehmens Rowohlt

Der Rowohlt Verlag: Mit Anspruch zum Erfolg

Zu den skurrilsten deutschen Intellektuellen gehört mit Sicherheit Harry Rowohlt. Er ist bekannt als Kolumnist („Pooh’s Corner“), als brillanter Übersetzer aus dem Englischen und als „Obdachloser“ aus der TV-Serie „Lindenstraße“. Was viele aber über den 69-Jährigen nicht wissen: Er ist tatsächlich der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt. Doch mit der Führung des bekannten deutschen Verlagshauses wollte er nie etwas zu tun haben, verkaufte wie sein Bruder 1983 seine Anteile an Holtzbrinck. Schade eigentlich, es wäre spannend gewesen zu sehen, in welche Richtung der Kauz mit der Vorliebe für Hochprozentiges (ob Literatur oder Alkohol) das Verlagsprogramm verändert hätte.

Die Geschichte des Rowohlt Verlags beginnt mit einem tüchtigen Flop: Niemand will Gustav C. Edzards „Lieder der Sommernächte“ kaufen, das Ernst Rowohlt im Jahr 1908 herausgibt. Trotzdem gründet Rowohlt zwei Jahre später in Leipzig den Ernst Rowohlt Verlag. Schon bald macht sich der Verlag einen Namen, weil hier Werke von Max Dauthendey, Georg Heym, Hugo Ball und Carl Hauptmann erscheinen. Auch Franz Kafka findet bei Rowohlt eine verlegerische Heimat. Doch schon bald ist Ernst Rowohlt nicht mehr Herr im eigenen Haus, sein stiller Teilhaber Kurt Wolff bootet ihn aus.

Neustart nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg startet Rowohlt einen neuen Anlauf, gründet in Berlin die Ernst Rowohlt KG. Für eine Mark bietet er eine Neuausgabe von Büchners „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ an, auch ansonsten ist der Verlag ziemlich politisch. Außerdem erscheinen hier Werke von Hans Fallada, Kurt Tucholsky oder Joachim Ringelnatz, der dem Verlag sein Leben lang treu bleiben wird. Auch um die US-amerikanische Literatur macht sich Rowohlt verdient, bringt zum Beispiel Ernest Hemingways „Fiesta“ heraus und „Elmar Gantry“ von Sinclair Lewis. 1930 wird Lewis der 1. Nobelpreisträger aus dem Hause Rowohlt.

Zum wohl größten Bestseller in der bisherigen Verlagsgeschichte wird „Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada, das 1932 auf den Markt kommt und in zwanzig Sprachen übersetzt wird. Doch Zeit, den Triumph zu genießen, bleibt kaum: Schon bald darauf ergreifen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland und beginnen mit den berüchtigten Bücherverbrennungen. 1938 wird ein Berufsverbot gegen Ernst Rowohlt ausgesprochen, wegen „Tarnung jüdischer Schriftsteller“, im selben Jahr reist er über die Schweiz nach Brasilien, erlebt im Ausland, wie 1943 sein Verlag abgewickelt wird.

„Götter, Gräber und Gelehrte“ wird zum Millionenbestseller

Porträt des Familienunternehmens Rowohlt

Millionenseller: der Archäologie-Roman „Götter, Gräber und Gelehrte“

Nach Kriegsende kehrt Ernst Rowohlt nach Deutschland zurück, gründet seinen Verlag zunächst in Stuttgart, dann in Hamburg erneut, auch ein Berliner Büro wird aufgebaut. Jetzt erscheinen bei Rowohlt Werke von Wolfgang Borchert und Jean-Paul Sartre ebenso wie der Mega-Bestseller „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C. W. Ceram (deutsche Auflage inzwischen: mehr als zwei Millionen).
Die Fünfzigerjahre werden eine erfolgreiche Zeit für den Rowohlt Verlag, sind allerdings überschattet von Ernst Rowohlts zunehmend besorgniserregendem Gesundheitszustand. Am 1. Dezember 1960, dem Jahr, in dem der Verlag nach Reinbek bei Hamburg umzieht, stirbt der Verleger.

Doch sein Vermächtnis, der vielleicht anspruchsvollste deutsche Verlag neben Suhrkamp (gegründet 1950), lebt weiter – und das mit großem Erfolg: Philip Roth, John Updike und Thomas Pynchon gehören zu den Top-Autoren, die Krimis der Schwarzen Reihe sorgen für Spannung, das „Rock-Lexikon“ von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos ist ein Klassiker, der auch heute noch gelesen wird. Inzwischen besteht die Rowohlt Gruppe aus mehreren Verlagen, darunter Rowohlt.Berlin, Wunderlich und rororo, der älteste deutsche Taschenbuchverlag. Und Harry Rowohlt? Der tut nur, wozu er Lust hat, übersetzt zum Beispiel die Krimis des irischen Schriftstellers Ken Bruen oder leiht Hörbuch-Ausgaben von Mark Twains Memoiren seine Stimme.

Fotos: Rowohlt Verlag GmbH/Screenshot