Bertelsmann – ein moderner Medienkonzern mit großer Tradition

Die Bertelsmann AG mit knapp 112.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 16 Milliarden Euro beginnt als kleiner Verlag für christliche Literatur. Dieser einzigartige Aufstieg ist untrennbar mit der überragenden Weitsicht und unternehmerischen Schaffenskraft von Reinhard Mohn verbunden.

Die Anfänge als evangelischer Verlag

1935 - Blick in den Druckereisaal

1935 – Blick in den Druckereisaal

Carl Bertelsmann (1791-1850), Druckermeister und überzeugter Anhänger der evangelischen Erweckungsbewegung, gründet im Jahre 1835 im westfälischen Gütersloh einen kleinen Verlag. In seinen Anfangsjahren publiziert der C. Bertelsmann Verlag vor allem religiöse Schriften. Der Sohn des Gründers, Heinrich Bertelsmann (1827-1887), treibt die Expansion des Unternehmens energisch voran. Er erweitert das Verlagsprogramm um Publikationen aus den Bereichen Jugendliteratur, Sprachwissenschaften und Geschichte. Schon damals fällt Bertelsmann durch besonders attraktive Arbeitsbedingungen auf: Heinrich Bertelsmann begründet 1887 eine betriebliche Alters- und Invalidenkasse für seine rund 60 Mitarbeiter. Unter der Leitung seines Schwiegersohns, Johannes Mohn (1856-1930), richtet sich Bertelsmann wieder stark religiös aus und wird einer der wichtigsten missionswissenschaftlichen Verlage Deutschlands.

Modernisierung und Neugestaltung des Angebots

1956 - Das neue Bertelsmann Volkslexikon: einbändig von A bis Z

1956 – Das neue Bertelsmann Volkslexikon: einbändig von A bis Z

Heinrich Mohn (1885-1955) lenkt die Geschicke des Bertelsmann Verlags von 1921 bis 1930. Ihm gelingt es, mit seinen Verlagsprodukten ein breites Publikum anzusprechen und die Umsatzzahlen nachhaltig zu steigern. Neben populären christlichen Erbauungsschriften trägt zu dieser Entwicklung vor allem die Sortimentserweiterung um belletristische Literatur bei. Romankassetten und Preisausschreiben erweisen sich als sehr verkaufsfördernd und ermöglichen es dem Verlag, weitgehend unbeschadet die durch schwere wirtschaftliche Krisen und Inflation gezeichneten Zwanzigerjahre zu überstehen.

Aufstieg zum Medienriesen

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt Reinhard Mohn (1921-2009) in fünfter Generation die Leitung des Bertelsmann-Verlags. Der im Jahr 1950 ins Leben gerufene Lesering hat als Direktvertrieb überwältigenden Erfolg. Im zehnten Jahr seines Bestehens besitzt der Bertelsmann Lesering drei Millionen Mitglieder. Damit ist der Grundstein für das künftige Verlagsimperium gelegt. Gleichzeitig erweitert Reinhard Mohn konsequent das Sortiment: So beginnt Bertelsmann in den Fünfzigern mit der Herausgabe von Lexika. Mit dem Label Ariola startet das Schallplattengeschäft von Bertelsmann. Als Visionär und großartiger Erneuerer erweist sich Reinhard Mohn auch im Bereich der Mitarbeiterführung. Er etabliert bereits 1960 die Grundsatzordnung, die demokratische und soziale Prinzipien für die Zusammenarbeit von Führungskräften und Angestellten regelte. Mit der Gründung von Tochterunternehmen in zahlreichen europäischen Ländern setzt der Verlag in den Sechziger- und Siebzigerjahren seinen Expansionskurs fort. Darüber hinaus steigt Reinhard Mohn in die Filmproduktion ein und mit der Beteiligung am Gruner und Jahr Verlag auch ins Zeitschriftengeschäft. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1981 vollendet den Aufstieg des Bertelsmann-Verlags vom Familienunternehmen zum bedeutenden europäischen Medienkonzern.

Weiterentwicklung zum internationalen Mediengiganten

Corporate Center, Gütersloh

Corporate Center, Gütersloh

Nachdem Reinhard Mohn 1981 den Vorstand verlässt, übernehmen verschiedene Top-Manager die Leitung von Bertelsmann. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Konzern sich in den USA und als Anbieter von Privatfernsehen durchsetzen kann. In den Neunzigern geht Bertelsmann in Osteuropa und Fernost auf Expansionskurs. Und auch die große Herausforderung der Digitalisierung meistert der Verlag. Die Mehrheit der Anteile an der Bertelsmann AG befindet sich heute im Besitz der 1977 gegründeten Bertelsmann Stiftung, die mit ihrem großen gesellschaftlichen Engagement eine Vorreiterrolle übernommen hat.

Fotonachweise: © Bertelsmann