Besser sägen mit Stihl

Porträt des Familienunternehmens Stihl

Weltweit im Einsatz: Motorsägen der Marke Stihl

Aller Anfang ist schwer – und das ist in diesem Falle wörtlich zu nehmen: Um die 50 Kilogramm wog die erste Kettensäge aus dem Hause Stihl und musste von zwei Mann bedient werden. Es war das Jahr 1926 und Andreas Stihl hatte kurz zuvor in Stuttgart die „A. Stihl Maschinenfabrik“ gegründet. Als die junge Firma genug Geld mit Waschmaschinen und Dampfkessel-Vorfeueranlagen verdient hatte, begann sie mit dem Bau von Motorkettensägen. Eine Entscheidung, die in den siebziger Jahren in der Weltmarktführerschaft mündete.

Früh zum Exportweltmeister

Heute wird Andreas Stihl als „Vater der Motorsäge“ bezeichnet. Dabei hätte er sich eigentlich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können, um eine Firma auf die Beine zu stellen: Kurz nach Gründung des Unternehmens brach die Wirtschaft weltweit zusammen. Aber Stihl hatte einen Trumpf im Ärmel: konkurrenzlose Produkte. Nachdem er 1926 die erste Elektromotorsäge der Welt zur Marktreife gebracht hatte, folgte 1929 die erste benzinbetriebene Kettensäge. Anfang der dreißiger Jahre wurde diese „Stihlsche Baumfällmaschine Typ A“ bereits massenhaft nach Russland, Kanada und in die USA exportiert. Der Zweite Weltkrieg machte dem ersten Aufschwung ein Ende, als die Stuttgarter Produktionsstätte in Bad Cannstatt bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Die komplette Produktion musste daraufhin in das 1938 hinzugekommene zweite Werk in Neustadt an der Rems (heute ein Teil von Waiblingen) verlagert werden – noch heute Hauptsitz von Stihl.

Familienbetrieb Stihl im Porträt

In den Sechzigern ist im Waiblinger Stihl-Werk wieder viel zu tun.

Aufschwung nach dem Krieg

Nach dem Krieg machte Stihl weiter in Sachen Motorsäge – und die Geräte wurden leichter und handlicher. Ab Mitte der fünfziger Jahre hatte Stihl das Gewicht der Sägen so weit verringert, dass sie nun von einem Man bedient werden konnten. Als echter Verkaufsschlager erwies sich beispielsweise die Stihl Contra bei ihrer Markteinführung 1959: Die Contra brachte bei einer Leistung von sechs PS nur noch zwölf Kilogramm auf die Waage und hatte einen großen Anteil an der fortschreitenden Motorisierung der Waldarbeit. In weniger als zwei Jahren produzierte Stihl über 200.000 Contras, 1961 musste das Unternehmen extra Frachtflugzeuge chartern, um der Nachfrage in Nordamerika gerecht zu werden.

Führend auch in Sachen Umweltschutz

1971 stieg Stihl zum größten Kettensägenhersteller der Welt auf – eine Position, die das Unternehmen eigenen Angaben nach bis heute innehat. 1973 starb Gründer Andreas Stihl, Sohn Hans Peter übernahm das Geschäft. Unter seiner Ägide kam es zu einer beständigen Expansion – belief sich der Umsatz 1969 noch auf 113,8 Mio. DM, war er bis 1979 auf 556 Mio. DM angestiegen und erreichte im Jahr 1989 1,1 Mr. DM. In die Amtszeit von Hans Peter Stihl fiel auch die Entwicklung eines Katalysators für 2-Takt-Motoren, der die Emission schädlicher Kohlenwasserstoffe um 60 bis 80 Prozent verringerte (1988). 1992 übernahm Stihl dann die österreichische Marke Viking, einen führenden Hersteller von Gartengeräten und erweiterte das Portfolio um Produkte wie Rasenmäher oder Häcksler.
Heute beschäftige Stihl weltweit knapp 14.000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von über 2,8 Mrd. Euro (Stand: 2013). Obwohl sich die Familie Stihl 2002 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, bestimmt sie über den Beirat nach wie vor die Geschicke des Unternehmens: Beirats-Vorsitzender ist inzwischen Nikolas Stihl, ältester Sohn von Hans Peter.