Dornbracht: Ein Armaturenhersteller denkt in neuen Bahnen

Porträt des Familienunternehmens Dornbracht

Innovationsführer Dornbracht: Die Horizontal Shower ermöglicht es, im Liegen zu duschen

Das mittelständische Unternehmen Dornbracht ist Weltmarktführer bei Luxusarmaturen für Bad und Küche. Erfolgsgarant ist die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen und auch scheinbar abwegigen Ideen gegenüber aufgeschlossen zu sein. Das war nicht immer so. Zwei schwere Krisen und die Begegnung mit Künstlern gaben den Ausschlag dafür.

Erst die Arbeit und dann…

Der Unternehmensgründung im Jahr 1950 geht harte Schufterei voran. Der damals 57-jährige Aloys F. Dornbracht und sein Sohn Helmut sind tagsüber ganz normale Angestellte, nach Feierabend stehen sie Tag für Tag in einer alten Baracke in Iserlohn an der Werkbank und feilen an ihrer ersten Armatur. Es handelt sich um ein neuartiges Produkt mit ausziehbarem Auslauf, mit dem sich auf dem Herd stehende Töpfe direkt mit Wasser befüllen ließen. Per Bahn, einen Koffern mit den ersten Armaturen unter dem Arm, reist Aloys zu Händlern nach Köln und bringt die Neuheit an den Mann.
Ende der sechziger Jahre beginnt Dornbracht, auch Designarmaturen herstellen, produziert aber auch weiterhin für den Massenmarkt. Die Firma wächst rasant – zu rasant. Mitte der 1980er Jahre gerät Dornbracht in bedrohliche Schieflage. Logistik, Finanzwesen und die komplette Firmenstruktur haben mit dem enormen Wachstum nicht standgehalten. Hunderte Mitarbeiter verlieren in der Folge ihren Job.

Dornbracht setzt voll auf die Luxus-Karte

Porträt des Familienunternehmens Dornbracht

Das Unternehmen setzt ganz auf das Luxussegment

Helmut Dornbracht und seine mittlerweile auch im Familienbetrieb tätigen Söhne Andreas und Matthias erkennen, dass der Spagat zwischen Luxus- und Standardsegment nicht funktioniert. Ab jetzt setzt die Firma ausschließlich auf edle Designarmaturen Made in Germany.

Rund zehn Jahre später kommt es zur nächsten Krise, diesmal ist es eher eine Art Sinnkrise. Die Dornbracht-Brüder befürchten, dass schickes Design und hohe Qualität bald nicht mehr ausreichen, um auf Erfolgskurs zu bleiben. Denn mittlerweile setzen alle Hersteller auf Optik. Andreas und Matthias beauftragen daher verschiedene Künstler, sich mit dem Themenkomplex Badekultur auseinanderzusetzen. Die dabei entstandenen Kunstwerke bringen die Gebrüder Dornbracht dazu, ihren Fokus auf Körperpflege und die damit verbundenen Rituale zu richten. Ein paar Jahre später präsentieren sie ein erstes Ergebnis dieser neuen Sichtweise: Das sogenannte Mem-Bad ist das, was man heute inflationär Wellness-Oase nennt: ein Raum mit Ruheliege, Tauchbecken und Grünpflanzen, aber ohne die Nasszellentypische Kloschüssel und die kalten Fliesen.

Ein neues Denken zieht ein

Porträt des Familienunternehmens Dornbracht

Viel mehr als nur eine Dusche: Das Duscherlebnis Sensory Sky

Die Beschäftigung mit Kunst hat im Unternehmen für eine ganz neue Art des Denkens gesorgt. Es werden bewusst vage gehaltene Leitthemen wie „The Spirit of Water“ formuliert, mit denen sich Unternehmensteams beschäftigen. Dabei kommen Innovationen wie das Duschsystem „Sensory Sky“, das Wasser in unterschiedlichen Tropfengrößen und mit verschiedenem Wasserdruck mit Nebel, Lichtern und Düften kombiniert.

Das Problem dabei: Kaum ist ein neuartiges Produkt auf den Markt, ist auch schon die Billigkopie der aufwendig entwickelten Innovation verfügbar. Der Familienbetrieb ist daher zu ständiger Kreativität verdammt, um in der Nische der Luxusarmaturen überlegen zu können.

Fotos: Screenshot dornbracht.com/Dornbracht Deutschland GmbH & Co. KG