Heraeus: High-Tech und Edelmetall-Produkte aus Hessen für die Welt

Porträt des Familienunternehmens Heraeus

Das Hauptwerk der Firma Heraeus in Hanau.

Mit Platin fing alles an: Der heutige Technologiekonzern Heraeus verdankt seine Erfolgsgeschichte diesem Edelmetall und dem Unternehmensgründer Wilhelm Carl Heraeus, einem Apotheker und Chemiker aus Hanau. Er war der Erste, dem es gelang, Platin zu schmelzen ¬ das war im Jahr 1851. Damit konnte Platin nun in Schmuckfabriken, Zahnlabors und in der Industrie leicht eingesetzt werden, und es fanden sich in der Folge immer weitere Verwendungsmöglichkeiten für das Edelmetall.

Heute ist Heraeus ein breit aufgestellter Technologiekonzern mit sechs Geschäftsfeldern. Der gemessen an der Mitarbeiterzahl größte Bereich produziert Sensoren und Messsysteme für Metallschmelzen. Hier arbeiten über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weitere große Bereiche: Edelmetalle (2.748 Mitarbeiter) sowie Materialien und Technologien (2.900). Insgesamt beschäftigt die Heraeus-Gruppe heute rund 12.500 Mitarbeiter.

Wandel als ständiger Begleiter

In der hundertsechzigjährigen Unternehmensgeschichte war der Wandel ein ständiger Begleiter. Produkte wurden erfunden – Heraeus besitzt heute über 5.300 Patente – und das Unternehmen setzte neue Schwerpunkte. Andere Bereiche wurden verabschiedet. 2013 hat Heaeus den traditionsreichen Dentalbereich verkauft. Platin allerding ist bis heute ein wichtiger Werkstoff geblieben: Damit werden Katalysatoren beschichtet, aber auch Wirkstoffe für die Krebsbehandlung entwickelt.

Porträt des  Familienunternehmens Heraeus

Platinbarren von der Firma Heraeus.

Die Medizinsparte Heraeus Medical wurde im vergangenen Jahr als „Top Innovator“ ausgezeichnet und vom Innovationsforscher Prof. Dr. Franke vom Institut für Entrepreneurship und Innovation der Universität Wien unter die Top 100 der erfolgreichsten Ideenschmieden in Deutschland gewählt. Eine preiswürdige Idee: Neue Knochenzemente beispielsweise, mit denen Gelenkprothesen im Knochen fixiert, können während der Operation passgenau gemischt werden – das ist nicht nur innovativ, sondern auch anwenderfreundlich.

Heraeus selbst lobt ebenfalls einen jährlichen Innovationspreis aus, mit dem Forschungen und Entwicklungen von eigenen Mitarbeitern und Studenten ausgezeichnet werden. Im vergangenen Jahr wurde die Arbeit von Daniel Hanselmann prämiert. Er hatte einen leitfähigen Klebstoff entwickelt, der mit weitaus weniger Silber auskommt als herkömmliche Produkte.

Porträt des Familienunternehmens Heraeus

Katalysatoren von Heraeus.

Trotz der mittelständischen Prägung und des Selbstverständnisses als wertegeprägtes Familienunternehmen ist Heraeus ein globaler Konzern. Die umsatzstärkste Region ist Asien: Hier werden 51 Prozent aller Umsätze getätigt. Insbesondere China ist ein wichtiger Markt. Seit dort die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, muss das China-Engagement allerdings auch als Risiko gesehen werden. Außerdem ist China mit 17 Standorten für Heraeus nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch zentraler Partner und Produktionsstandort. Generell stellen die rund 100 Heraeus-Standorte, die über die ganze Welt verteilt sind, besondere Ansprüche an Kommunikation und Management. Die Mitarbeiter sollen über große Entfernungen, Zeitzonen und kulturelle Unterschiede hinweg gutzusammenarbeiten. Dabei unterstützt sie das eigens entwickelte International Management Programme.

Trennung von Familienengagement und Management

Und wie begegnet Heraeus den besonderen Risiken, die in Familienunternehmen immer wieder durch Konflikte in der Eigentümerfamilie oder durch die ungeregelte Nachfolge entstehen? Die rund 200 Familiengesellschafter haben sich früh auf einen Kodex geeinigt, in dem beispielsweise die klare Trennung von Familienengagement und Management festgehalten ist, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jürgen Heraeus im Geschäftsbericht 2013 schreibt. Mit dieser und mit weiteren Übereinkünften soll sichergestellt werden, dass zwar die Traditionen erhalten bleiben, der Konzern in seiner Innovationsfähigkeit aber nicht eingeschränkt wird.

Fotos: Heraeus