Herder: Tradition verbindet sich mit Moderne

Porträt des Familienunternehmens Verlag Herder

Die Webseite vom Verlag Herder

Der katholisch ausgerichtete Verlag Herder blickt auf eine mehr als 200jährige Geschichte zurück, zählt somit zu den ältesten Verlagen in Deutschland überhaupt. Dabei wäre es mit dem familiengeführten Unternehmen in den 1990er Jahren fast vorbei gewesen. Herder geriet in eine bedrohliche wirtschaftliche Schieflage, schaffte mit der Etablierung neuer digitaler Angebote aber die Wende.

Der 1774 in Rottweil geborene Bartholomä Herder verkündet schon als Student den Wunsch, „ein gelehrter Buchhändler“ zu werden, 1798 beginnt er, seine ersten Bücher zu verlegen. 1801 ist es dann so weit: Der Konstanzer Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg beruft ihn zum „Hofbuchhändler“, am 27. November desselben Jahres gründet Bartholomä in Meersburg am Bodensee den Verlag Herder.

Als infolge der Säkularisation das Fürstbistum Konstanz aufgelöst wird, zieht es Bartholomä in die Universitätsstadt Freiburg. Im Breisgau, wo der Verlag heute noch seinen Firmensitz hat, versucht er sein Glück als „akademischer Buchhändler“. Ein theologischer Verleger im engeren Sin ist er nicht, sondern ein von der Aufklärung geprägter Unternehmer, der für den Fortschrittsgedanken seiner Zeit aufgeschlossen ist.

Der Verlag als Stimme der katholischen Bewegung

Für die katholische Ausrichtung des Verlags ist vor allem sein Sohn Benjamin verantwortlich. Er übernimmt 1839, nach dem Tod des Vaters, die Verlagsgeschäfte. In der damaligen Epoche des Kulturkampfs zwischen der katholischen Kirche und den staatlichen Institutionen machte er den Verlag zum Sprachroh des neuen katholischen Selbstbewusstseins. In dieser Zeit erscheinen bei Herder wichtige theologische Schriften wie etwa das erste „Kirchenlexikon“. Aber auch das „Conversations-Lexikon“, aus dem dann der „Große Herder“ hervorgeht, wird von Benjamin verlegt.

1888 verstirbt Benjamin Herder, sein Sohn Hermann tritt ein schweres Erbe an. Es gelingt ihm, den Verlag wichtigen durch eine Zeit großer gesellschaftlicher, politischer und innerkirchlicher Umwälzungen und Auseinandersetzungen zu manövrieren und wirtschaftlich auszubauen. Unter der bis 1937 dauernden Führung von Benjamin veröffentlicht der Verlag unter anderem das aufsehenerregende Werk „Die Malereien der Katakomben Roms“ des Archäologen Joseph Wilpert, 1925 werden Buchhandlungen in Rom und Barcelona eröffnet.

Durch die für den kirchlich geprägten Verlag besonders schwierige Epoche des Nationalsozialismus führt den Verlag der Schwiegersohn von Herman Herder, Theophil Herder-Dorneich. Das NS-Regime versucht, den Verlag durch Verbote auf die Veröffentlichung von Gebetsbüchern zu beschränken, im November 1944 wird das Verlagsgebäude in Freiburg von einer Bombe getroffen und geht in Flammen auf.

Programmatische Öffnung nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Neuanfang nach Kriegsende bedeutet für den Verlag Herder auch eine programmatische Zäsur. Weltoffenheit und Dialogbereitschaft werden im Verbund mit dem ökumenischen Gedanken zum Verlagscredo. Theophils Sohn Herman – der zweite Herman an der Unternehmensspitze – führt die inhaltliche Öffnung des Verlags fort und nutzt die Chancen, die sich aufgrund des Zweiten Vatikanischen Konzils und des damit verbundenen geistigen Aufbruchs in der katholischen Kirche ergeben, zum programmatischen Dialog mit der Moderne.

Die Zukunft im Blick

Der Verlag gerät dennoch in den 90er Jahren in wirtschaftliche Turbulenzen, bis 1999 mit Manuel Herder die sechste Generation der Familie das Ruder übernimmt. Er baut die digitalen Angebote und die Hörbuchsparte auf, bringt zudem den verlagseigenen Onlineshop an den Start und das Unternehmen in die wirtschaftliche Erfolgsspur zurück – getreu dem Verlagsmotto „Der Tradition verpflichtet – Der Zukunft zugewandt“.

Foto: Screenshot herder.de