Hipp – vielleicht nicht hip, aber dafür top

Porträt des Familienunternehmens Hipp

Hipps größtes Geschäftsfeld ist nach wie vor die Säuglingskost

Jedes Kind kennt sie – wortwörtlich: Wer hat nicht im zarten Säuglingsalter zumindest einmal Babynahrung von Hipp gegessen? Täglich werden 1,5 Millionen Gläschen im bayerischen Pfaffenhofen produziert, auf satte 51 Prozent Marktanteil in Deutschland kommt Hipp bei Säuglingsnahrung. Über 270 Produkte hat Hipp aktuell im Sortiment, darunter Tees, Säfte und Quellwasser. Mehr als 2000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 330 Millionen Euro in Deutschland. Dabei waren die Anfänge eher bescheiden.


Zwiebackmehl als erster Hipp’scher Verkaufsschlager

Joseph Hipp (1867 – 1926) arbeitete 1899 in einer Pfaffenhofener Konditorei und Wachszieherei, als er sich mit einem besonderen Problem konfrontiert sah: Seine just geborenen Zwillinge ließen sich nicht stillen. Hipp suchte nach Abhilfe und kam auf die Idee, ein selbst entwickeltes Zwiebackmehl in Milch aufzulösen. Der Erfolg des Mehls sprach sich schnell in seiner Kundschaft herum und viele Kundinnen zogen daraufhin ihre Kinder auf diese Weise groß.

Das Hipp-Gläschen ist geboren

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts belieferte Joseph Hipp bereits einige Konditorkollegen. 1921 begann Josephs Sohn Georg Hipp, „J. Hipps Kinder-Zwiebackmehl“ in München zu verkaufen. Die Konditorei in Pfaffenhofen wurde komplett auf die Produktion des Mehls umgestellt; aber dennoch war der elterliche Betrieb bald zu klein, und Georg gliederte diesen Bereich aus: 1932 gründete er in Pfaffenhofen Firma „Nährmittel Hipp“ – die Geburtsstunde des Unternehmens Hipp in seiner heutigen Form.
Zwischen 1932 und 1944 erfolgte ein Umzug nach München und – nachdem die Gebäude bei einem Luftangriff zerstört wurden – die Rückkehr nach Pfaffenhofen. 1957/58 entschloss sich Georg Hipp dazu, die Kindernahrung nach amerikanischem Vorbild industriell in Dosen fertigen zu lassen. Die ersten vier Artikel waren zwei Gemüse- und zwei Menüsorten. Kurz darauf, 1959/60, wurde die Dose vom hygienischeren Gläschen ersetzt. Das Produktangebot wuchs in dieser Zeit beachtlich an: Kinder-Menüs und -Desserts, Vollkorn-Früchte-Breie, Säfte, Fleischzubereitungen …

Pionierarbeit in Sachen Öko-Anbau

Zeitgleich begann Georg Hipp damit, Obst und Gemüse auf naturbelassenen Böden und ohne chemische Zusätze anzubauen. Der familieneigene Ehrensberger Hof bei Pfaffenhofen wurde komplett auf Bio-Erzeugung umgestellt. Babynahrung von Hipp sollte nicht nur wohlschmeckend, sondern auch gesund sein. Im Jahre 1967 übernahm Georgs Sohn Claus Hipp zusammen mit seinen Brüdern Georg und Paulus die Leitung des Unternehmens und setzte den eingeschlagenen ökologischen Weg konsequent fort. Noch heute sind die drei Brüder auch Geschäftsführer der Hipp GmbH & Co. KG. Erst nach und nach konnte Claus die Bauern von seiner Öko-Idee überzeugen, und viel mühevolle Überzeugungsarbeit war nötig: Die meisten Landwirte taten seinen Vater und ihn schlicht als „Spinner“ ab. Mittlerweile arbeitet Hipp mit 6.000 Bio-Bauern zusammen, kein deutsches Unternehmen verarbeitet mehr organisch-biologische Rohstoffe. Claus trat bis vor ein paar Jahren persönlich in den TV-Spots von Hipp auf. Der Slogan war so einprägsam wie vertrauenserweckend: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“