Ordnung ist das halbe Leben: das Unternehmen Leitz

Artikelgebend ist ein Portät des Unternehmens Leitz.

Aktenordner Leitz

Im Jahre 1871 gründete der gelernte Drechsler und Mechaniker Louis Leitz einen Betrieb, der nur Jahre später der Inbegriff für Aktenordner werden sollte. Leitz firmierte unter „Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmittel“, denn er war überzeugt: Wenn die Papierflut in den deutschen Amtsstuben weiterhin ansteigen würde, muss Ordnung ins System!


Alles im Griff: Deutsche Amtsstuben profitieren vom System

Der am 2. Mai 1846 im württembergischen Großingersheim geborene Leitz kannte aus Frankreich bereits die sogenannten Biblorhapten – in diesen heftenden Büchern wurden fortlaufend Dokumente auf Nägel gespießt. Leitz war sich sicher: Das geht noch besser. Sein erstes Modell, der „Leitz-Registrator auf Holzbrett“ wurde von ihm ständig weiterentwickelt, 1896 schließlich ist der klassische Leitz-Ordner erfunden, ein Hebelordner mit Exzenterverschluss und Raumsparschlitzen, die revolutionäre Mechanik ist bis heute nahezu unverändert in jedem Aktenordner zu finden. 1911 kam noch das nahezu geniale Griffloch im Ordnerrücken hinzu. Die Locher für die Dokumente wurden anfangs den Kunden sogar mitgeliefert, in der Amtssprache hieß daher früher auch „lochen“ eben „leitzen“.

Patentstreit mit Erzrivalen Soennecken

Als Louis Leitz 1918 stirbt, bleibt die in Stuttgart-Feuerbach ansässige Firme in Familienhand. Vier Generationen lang führen jeweils die Söhne die Firma. Acht Jahre nach Louis Leitz Tod kommt Unruhe auf: Mit dem größten Konkurrenten des Betriebes, die Firma Soennecken aus Bonn, beginnt ein Patent-Rechtsstreit um die „Hebelmechanik mit Rolle“, das „Griffloch im Einband“ und die Normierung der Loch-Abstände: Acht Zentimeter bei Leitz, sieben Zentimeter bei Soennecken. 1926 schließlich der Triumpf für Leitz: Acht Zentimeter werden Deutsche Industrie-Norm.

Erst die Globalisierung stoppte den Erfolgskurs des Familienunternehmens

Im Dritten Reich profitiert die Firma von der Verwaltungs- und Reglementierwut der Nazis. Im Geschäftsjahr 1938 macht Leitz mit 750 Angestellten einen Rekordumsatz von sieben Millionen Reichsmark. Nach dem Zweiten Weltkrieg, wo Teile der Fabrikhalle zerstört wurden, erreicht Leitz erst wieder im Jahr 1952 hohe Umsätze wie in den Vorkriegsjahren. Der Rivale Soennecken wird 1967 geschluckt, der Umsatz von Leitz steigt weiter. Selbst die Erfindung des PCs und dessen Einzug in die Büros kann Leitz nicht stoppen. Aber die Globalisierung wurde zum Verhängnis. Ein Preiskampf mit großen, ausländischen Büroartikel-Hersteller begann. 1998 verkauften die Leitz-Erben das Unternehmen an den schwedischen Büroartikel-Hersteller Esselte, 2002 wird Esselte wiederum von einem US-Investor übernommen. Die Marke Leitz bleibt aber weiterhin bestehen.

Das Sortiment umfasst traditionelle und technische Produkte

Zur Produktpalette gehören mittlerweile nicht nur die klassischen Ordnungssysteme sondern auch technische Geräte wie beispielsweise das iLAM-Laminiergerät. Leitz ist und bleibt der Inbegriff für Ordnung im Büro.


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