Tengelmann – ein Familienunternehmen mit großen Werten

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Eine Filiale von Kaiser’s

Sie dachten bislang, Tengelmann, das sei der Supermarkt um die Ecke, wo die Damen an der Kasse immer so nett sind und der Filialleiter immer für ein Schwätzchen zu haben ist? Nicht ganz: Ihr Tengelmann ist nur eine von mehr als 500 Filialen in ganz Deutschland, die fast 18.000 Mitarbeiter schaffen zusammen einen Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro. Und dann gehören der Familie Haub aus Nordrhein-Westfalen ja noch 74 Prozent an den fast 600 OBI-Märkten in Europa, 84 Prozent am Modediscounter KiK (mehr als 3000 Filialen), und an Zalando ist man auch beteiligt. Kurzum: Tengelmann zählt zu den zehn größten Familienunternehmen Deutschlands.

Als Gründungsjahr von Tengelmann gilt 1867

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OBI-Filiale

Angefangen hat alles mit einem Kolonialwarenhandel, den Johann Wilhelm Meininghaus Anfang des 19. Jahrhunderts in Mühlheim ins Leben rief und der 1867 von Wilhelm Schmitz-Scholl übernommen und umgebaut wurde. Kaffee war eines der Güter, die damals besonders gut liefen, und so wurde 1893 die Kaffee-Import-Gesellschaft Emil Tengelmann gegründet. Bald handelte man auch mit Zucker und Kakao, produzierte Puddingpulver und Kekse. Doch es dauerte bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg, dass in München der erste Tengelmann-Selbstbedienungsladen eröffnet wurde, die Keimzelle für eine der größten Supermarktketten Deutschlands.

Tengelmann-kik

Eine KiK-Filiale

Auch wenn man in jüngster Zeit gelegentlich Nachrichten von Schließungen einzelner Filialen liest und Tengelmann andere Filialen an Konkurrenten abgegeben hat: Das Unternehmen ist gut aufgestellt für die Zukunft. Und die ist zumindest teilweise virtuell: Ende 2013 hat Tengelmann zum Beispiel viel Geld in Westwing investiert, ein Möbelportal. Außerdem gibt es Beteiligungen wie an stylight.de, einem Shop für Designermode, oder baby-markt.de.

Heute ist das Unternehmen in der 5. Generation angekommen

Unternehmenszentrale

Die Unternehmenszentrale von Tengelmann

Insgesamt hat die gesamte Tengelmann-Gruppe 2011 einen Umsatz von erstaunlichen 10,78 Milliarden Euro gemacht. Besitzer und Geschäftsführer ist seit dem Jahr 2000, als sein Vater Erivan Haub sich zurückzog, der 1960 geborene Karl-Erivan Wander Haub. Der verfügt laut US-Magazin „Forbes“ über ein Vermögen von 4,5 Milliarden Euro, was ihn zu einem der 200 reichsten Menschen der Welt macht.


Karl-Erivan Haub ist erst mit 31 Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen. Der studierte Diplom-Kaufmann sammelte zuvor Erfahrungen bei Nestlé in New York und bei McKinsey in Düsseldorf. Aus den USA hat Haub seine Management-Ideale mitgebracht. Wie er in einem Interview mit dem „stern“ 2004 erzählte, könne er nicht verstehen, warum in Deutschland in Zeiten der Krise immer alle nach dem Staat rufen. Darüber hinaus setzt Haub auf deutsche Tugenden: Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung seien die entscheidenden Werte, sagte er dem „stern“: „Große Familienunternehmen leben diese Werte vor.“

Bildnachweis: Tengelmann, Pressebereich