Umbau im Familienunternehmen Schaeffler

Porträt des autozulieferers Schaeffler nach der Übernahme von Continental

Die Zentrale der Schaeffler AG.

Seit der Übernahme des wesentlich größeren Autozulieferers Continental gab es immer wieder Spekulationen über einen möglichen Börsengang der Schaeffler-Gruppe. Durch den Erwerb der Mehrheit an der Continental AG im Jahr 2009 drücken das Familienunternehmen hohe Schulden. Nun erhalten die Börsen-Gerüchte neue Nahrung: Wie n-tv berichtet, könnten Schaefflers Eintragungen ins Handelsregister auf einen Umbau hindeuten, der den Börsengang erleichtern würde.

Der Anteil am Reifenhersteller Continental wurde nämlich auf die Beteiligungsgesellschaft der Familie Schaeffler übertragen. Das Unternehmen kommentiert dies nicht. In diesem Zusammenhang interessiert auch die Nachricht, dass ab dem 1. April 2015 Dr. Ulrich Hauck als neuer Finanzvorstand in den Bereich Finanzen im Vorstand übernehmen wird. Der Manager verfügt über Erfahrungen in einem kapitalmarktorientierten Konzern, wie das Unternehmen betont.

Weltweit führender Auto-Zulieferer

Schaeffler ist der weltweit führende Zulieferer der Automobilbranche. Ein eventueller Börsengang könnte auf großes Interesse der Anleger stoßen, denn Schaeffler steht zurzeit operativ gut da. Der Umsatz wird 2014 erstmals über zwölf Milliarden Euro liegen. Das Unternehmen erwartet für das Geschäftsjahr 2014 eine Gewinnmarge (operatives EBIT) von zwölf bis 13 Prozent.

Portät des Autozulieferers Schaeffler

Blick in die Werkstatt: Einsatz von Schaeffler-Produkten

Der Autozulieferer mit Stammsitz in Herzogenaurach entwickelt und fertigt Zulieferprodukte für die Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Zum Konzern gehören die Unternehmensbereiche INA (Industrie Nagellager), FAG (Kugellager und Präzisionslager) und LuK (Lamellen und Kupplungsbau). Weltweit arbeiten rund 80.000 Mitarbeiter für die Schaeffler AG, die bereits früh auf Globalisierung und Internationalisierung setzte. Schon 1958 engagierte sich Schaeffler in Brasilien, 1964 in den USA und 1995 in China. Das neuste Auslandswerk ist eine Fertigungsstätte in Thailand, das den Zugang zu den asiatischen Kunden weiter verbessern soll.

Der Konzern ging aus der Firma Davistan hervor, die der Firmengründer Wilhelm Schaeffler dem 1933 aus Deutschland geflohenen jüdischen Unternehmer Ernst Frank abgekauft hat – zu einem Preis, der wohl 30 Prozent unter Wert lag. Auch in der Rüstungsproduktion war der Konzern in den letzten beiden Kriegsjahren aktiv, wie der Historiker Gregor Schöllgen in seinem Bericht zur Firmengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus darstellt.

FAG: Kugellager seit 1883

1946 folgte dann die Neugründung der INA durch die beiden Brüder Georg und Wilhelm Schaeffler. LuK wurde 1065 gegründet, um Tellerfederkupplungen an VW zu liefern – eine Erfolgsgeschichte. Heute liefert dieser Unternehmensteil Kupplungen und Getriebesysteme für eine Vielzahl von Herstellern.

Das traditionsreiche Unternehmen FAG gehört seit 2001 zum Schaeffler-Konzern. Friedrich Fischer, der das Unternehmen 1883 gründete, erfand eine Kugelschleifmaschine, mit der sich Stahlkugeln perfekt rund schleifen ließen – und legte damit das Fundament für eine der wichtigsten Wälz- und Präzisionslagerfirmen der Welt.

Porträt des Schaeffler-Konzerns

Impressionen aus dem Schaeffler Anlagenbau

Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler

Nach dem Tod des Mitgründers Georg Schaeffler im Jahr 1996 übernahm seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler, heute Schaeffler-Thumann, die Leitung des Unternehmens. Frau Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg F. W. Schaeffler sind beide aktive Gesellschafter und im Aufsichtsrat vertreten. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Rosenfeld verantwortet das operative Geschäft seit 2009. Ihm gelang es, das Unternehmen nach der turbulenten Übernahme von Continental zu konsolidieren und zu stabilisieren.

Fotos: Schaeffler