Unternehmensgruppe Haniel: Ein Global Player in Familienhand

Porträt Familienunternehmen Haniel

Der Firmensitz der Franz Haniel & Cie. GmbH

Die Franz Haniel & Cie. GmbH zählt zu den größten Unternehmen Europas, die noch zu 100 Prozent einer Familie gehören. Zur Firmengruppe mit Sitz in Duisburg gehören rund 800 Einzelunternehmen in über 30 Ländern mit mehr als 50.000 Mitarbeitern, der Umsatz im Geschäftsjahr 2013 betrug 3,58 Milliarden Euro.



Die Familie lenkt, Manager erledigen das Geschäft

Von der Firmengründung im Jahr 1917 bis heute gilt bei Haniel die Maxime: Führung und Eigentum sind getrennt. Das operative Geschäft leiten externe Manager, die langfristige Unternehmensstrategie ist Sache der Inhaberfamilie Haniel. Ein weiterer Grundpfeiler für den Erfolg der vor allem in den Branchen Dienstleistung und Handel tätigen Firmengruppe ist Diversifizierung: Die verschiedenen Unternehmensbereiche werden dezentral geführt, agieren unabhängig voneinander und eigenverantwortlich.

Ein Geschäft für Kolonialwaren macht den Anfang

Porträt Familienunternehmen Haniel

Das historische „Packhaus“ – heute ein Museum

Die Geschichte von Haniel geht bis ins Jahr 1756 zurück. In Ruhrort, heute ein Stadtteil Duisburgs, eröffnet der spätere Bürgermeister Jan Willhelm Noot ein „Packhaus“ genanntes Lagergeschäft für Kolonialwaren aus den Niederlanden – heute ist das Gebäude ein Museum. Noots Tochter Aletta und sein Schwiegersohn Jacob W. Haniel führen das Geschäft als Speditionshandel weiter, vertreiben zunächst unter anderem Wein.

Nach dem Tod Jacobs im Jahr 1782 leitet Aletta die Geschäfte zunächst allein, 1802 werden ihre Söhne Gerhard und Franz zu Teilhabern. Die Brüder etablieren sich im Kohlenhandel und in der Schifffahrt. 1805 kaufen sie zusammen mit ihrem Schwager Gottlob Jacobi zwei Eisenhütten, eine weitere erwerben sie im Jahr 1808. Im selben Jahr gründen sie die Hüttengewerkschaft und Handlung „Jacobi, Haniel & Huyssen“, Vorläuferin der Gutehoffnungshütte AG in Oberhausen. Die Familie Haniel hat sich von Händlern zu Industriellen entwickelt.

Wirtschaftliche Expansion unter Franz Haniel

Porträt Familienunternehmen Haniel

Unternehmerpersönlichkeit Franz Haniel

1834 vollbringt Franz eine Pioniertat: Unter seiner Regie gelingt es erstmals, eine senkrechte Schachtanlage durch das als undurchdringlich geltende Deckgebirge der Kohle („Mergelschicht“) zu schlagen – ein Durchbruch im Bergbau. 1847 eröffnet Franz das Steinkohlebergwerk „Zeche Zollverein“ in Essen, das 1851 mit der der Kohleförderung beginnt.

Als Franz Haniel 1868 stirbt, ist das Familienunternehmen in Industrie, Bergbau, Handel und Schifffahrt aktiv. Durch eine geschickte Unternehmens- und Familienpolitik können sich seine Erben auf ein weit verzweigtes Netzwerk stützen, um das Unternehmen erfolgreich bis ins 20. Jahrhundert weiterführen zu können.

Stunde null und Neuausrichtung in den 70ern

Im Jahr 1917 wird aus der offenen Handelsgesellschaft die Franz Haniel & Cie. GmbH – mit der bis heute geltenden Trennung von Management und Familie. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt auch für das Unternehmen die Stunde null. Das europaweite Vertriebsnetz liegt in Trümmern, die Schiffsflotte ist fast vollständig zerstört, Verbindungen zu Tochterfirmen sind gekappt.

Das Unternehmen baut Flotte und Kohlehandel wieder auf, wendet sich aber auch neuen Geschäftsbereichen wie dem Baustoff- und Mineralölhandel zu. In den 1970er Jahren zieht sich die Familie aus der Montanindustrie zurück und konzentriert ihre Geschäftsinteressen fortan auf Handel, Dienstleistungen und Produktion.

Aktuell gehören vier Unternehmensbereiche zur Haniel-Gruppe:

    • CWS-boco. Hinter dieser Firma verbergen sich eigentlich zwei Unternehmen, die unter einem Dach vereint sind. CWS ist einer der international führenden Anbieter von Seifenspendern, Stoffhandtuchrollen, selbst reinigenden WCs und anderen Produkten aus dem Segment Waschraumhygenie. boco vermietet Berufskleidung und versorgt Gastronomie- und Hotelbetriebe mit Tisch-, Bett- und Frottierwäsche – inklusive Reinigungs- und Reparaturservice. CWS-boco gehört seit 1981 zur Haniel-Gruppe.
    • ELG. Das international aufgestellte Unternehmen recycelt und handelt mit Rohstoffen für die Edelstahlindustrie. ELG beschäftigt rund 1220 Mitarbeiter an mehr als 40 Standorten in Europa, Nordamerika, Asien und Australien. ELG ist seit 1982 Teil von Haniel.
    • TAKKT. Das Unternehmen ist der nach eigenen Angaben in Europa und Nordamerika führende B2B-Versandhändler von Büro-, Betriebs- und Lagereinrichtungen. Die Firma bietet ihren Kunden auf Wunsch die komplette Ausstattung für deren Firmen Seit 1985 ist TAKKT Bestandteil der Unternehmensgruppe Haniel.
    • Metro Group. Haniel hält über 30,01 Prozent an der Metro AG, der Managementholding des internationalen Handelsunternehmen Metro Group. An der Metro Group mit mehr als 2.200 Standorten in 32 Ländern Europas, Asiens und Afrikas ist Haniel seit 1966 beteiligt.

    Fotos: Franz Haniel & Cie. GmbH