Vivil: Frischeschub aus der Hosentasche

Porträt des Familienunternehmens Vivil

Der Klassiker: die runden Pfefferminzpastillen aus der grünen Rolle

Vivil erfand vor mehr als 100 Jahren den Pfefferminzbonbon, die grüne Rolle mit dem erfrischenden Inhalt ist seither ein Verkaufsschlager. In der 1970er Jahren waren die Dragees buchstäblich in aller Munde, das Vivil-Krokodil und den Reklamespruch „Seid frisch zueinander!“ kannte jedes Kind. Heute geht es darum, die Marke modern zu machen – und sich der Billigkonkurrenz in den Supermarkregalen zu erwehren.

Die besten Ideen entstehen manchmal in den ungewöhnlichsten Situationen – zum Beispiel in der Hitze und dem Staub des Exerzierplatzes. Der Kaufmann August Müller leistet seinen Dienst in der 10. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 126 und träumt beim Auf- und Abmarschieren von einem Erfrischungsschub aus der Hostentasche. 1903 setzt er seinen Traum in die Tat um – und erfindet den Pfefferminzbonbon. August Müller gründet in Straßburg die Firma A. Müller & Co. und vertreibt seine Minze-Pastillen schon bald in weiten Teilen Europas, ab 1908 werden die gründen Rollen auch in die USA exportiert.

Reklame und das Wirtschaftswunder lassen die Kassen klingen

Als Straßburg französisch wird, siedelt der Betrieb 1920 auf die andere Rheinseite nach Offenburg um. Mittlerweile leitet Bruno Müller, der Sohn des Firmengründers, das Unternehmen. Er setzt voll auf Reklame, Werbung für die Marke Vivil ist an jedem Bahnhof sowie bei allen großen Veranstaltungen und Sportereignissen zu sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg müssen die Frauen übernehmen. Bruno Müller ist in Berlin verschollen, 1947 stirbt der Seniorchef. Brunos Witwe Elisabeth lenkt die Firmengeschicke, nach ihrem frühen Tod springt ihre Schwester ein, die Frauenrechtlerin Emmy Rebstein-Metzger. Sie sorgt dafür, dass die Produktion in Offenburg wieder auf vollen Touren läuft, den Rest erledigt das Wirtschaftswunder. Die Geschäfte laufen glänzend.

Zuckerfrei und neue aufgestellt in die Zukunft

Mit den Jahren verliert die Marke jedoch schleichend an Glanz. Der heutige Firmenchef, Alexander Müller-Vivil, muss die Weichen für die Zukunft stellen. Er versucht, der angestaubten Produktpalette ein modernes Image zu verleihen, und setzt erfolgreich auf zuckerfreie Bonbons, die dem Unternehmen starke neue Wachstumsschübe bescheren. Die Dachmarke Vivil steht aktuell für rund 80 Produkte, die in 30 Länder verkauft werden. Hergestellt wird ausschließlich in Offenburg, 40 bis 50 Tonnen Süßigkeiten verlassen täglich das Werksgelände. Die größte Konkurrenz für die Firma sind nicht die anderen großen Marken wie Fisherman’s Friend oder Mentos, sondern die Eigenmarken der Supermärkte. Um sich gegen die No-Name-Bonbons zu behaupten, investiert Alexander stark in Werbung. Der neue Slogan laut „Willkommen in der vivilisierten Welt!“. Eine tragende Rolle in dieser Welt spielt nach wie vor ein alter Bekannter: der erfrischende Pfefferminibonbon aus der grünen Rolle.

Foto: Screenshot vivil.de