Vorwerk – Erfolg durch Kontinuität und Bereitschaft zum Wandel

Die Vorwerk & Co. KG steht für Tradition und Familiensinn – und das seit mehr als 130 Jahren. Im Jahre 1883 gründeten die Brüder Carl und Adolf Vorwerk die „Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co.“ und legten Deutschland den ersten Teppich zu Füßen. Es folgte die Produktion von Autoachsen, Getriebe- und Grammophonlaufwerken, Staubsauger „Kobold“, Haushaltsgeräten – seit 2004 gehören sogar die Beautyprodukte von „JAFRA Cosmetics“ ins Portfolio der Wuppertaler.

Vorwerk – Es begann mit einem Teppich

Portrait des Familienunternehmen Vorwerk, bekannt für seine Staubsauger.

Staubsauger von Vorwerk – so macht Hausarbeit Spaß.

Die ersten Produkte aus dem Hause Vorwerk waren Teppiche und Möbelstoffe. Gegründet wurde das Unternehmen von den Brüdern Carl (1847-1907) und Adolf Vorwerk (1853-1925), die allerdings noch im Gründungsjahr getrennte Wege einschlugen. Carl Vorwerk führte die Geschäfte des jungen Betriebs alleine weiter. Im Jahr 1903 übergab Carl Vorwerk das Unternehmen an dessen Sohn Carl Junior (1878-1904) weiter. Dieser verstarb jedoch kurz nach der Betriebsübernahme – und der Firmengründer übergab die Geschäfte an Schwiegersohn August Mittelsten Scheid (1871-1955), der fortan gechäftsführender Gesellschafter war. Nach dem Ersten Weltkrieg schuf er ein weiteres Standbein und startete unter anderem mit der Produktion von elektrischen Motoren für Grammophone.

 

Vorwerk war schon immer flexibel, erfinderisch und offen für neue Vertriebswege

Als sich das Radio in den 20er Jahren etablierte, erlitt die Grammophonsparte einen großen Umsatzeinbruch. Not macht oft erfinderisch – und so entwickelte Chefingenieur Engelbert Gorissen aus dem Motor fürs Grammophon einen elektrischen Staubsauger. Das Jahr 1929 war die Geburtsstunde des Staubsaugers „Vorwerk Kobold“. Der 25. Mai 1930 ging als der Tag in die Chronik der Firmengeschichte ein, an dem das Patent für den Kobold „Modell 30“ erteilt wurde. Allerdings blieb der erhoffte Erfolg des praktischen Haushaltsgeräts zunächst aus. Und das, obwohl der Handstaubsauger mit seinerzeit 20 Reichsmarkt human kalkuliert und damit erschwinglich war. Die zündende Idee zur Erfolgsoptimierung hatte einer der Söhne des Firmenchefs – und so wurde 1930 dank Werner Mittelsten Scheid (1904–1953) der Direktvertrieb eingeführt. Der Mut, diese Idee umzusetzen, zahlte sich aus: bis 1935 wurden 100.000 Exemplare „Kobold“ an die Hausfrau gebracht. Nur zwei Jahre später hatte erleichterten bereits eine halbe Million Staubsauger die Hausarbeit. Im Jahr 1938 folgte noch vor dem Zweiten Weltkrieg die Expansion nach Italien: Vorwerk Folletto. Während des Zweiten Weltkriegs kam wurde das Hauptwerk in Wuppertal-Barmen schwer beschädigt. In Folge dessen übernahmen die beiden Söhne von August Mittelsten Scheid gemeinsam die Firmenleitung.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Vorwerk-Stammhaus in Wuppertal

Das Vorwerk-Stammhaus in Wuppertal.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs krempelten die Brüder Werner und Erich Mittelsten Scheid gemeinsam die Ärmel hoch und bauten Produktion und Vertrieb ihrer Staubsauger zunächst in Deutschland auf. Anschließend wurden Produktion und Vertrieb neu in Europa und in Übersee aufgebaut. Bereits im Jahre 1953 waren eine Million Staubsauger verkauft und schon zwei Jahre später sorgten 2.000 Vorwerk-Fachberater für den Vertrieb weiterer Geräte. Nach dem Tod seines Bruders führte Dr. Erich Mittelsten Scheid als alleiniger Geschäftsführer den Familienbetrieb und sorgte 1955 für eine Erweiterung des Portfolios und den Ausbau des Elektrogeräte-Programms. 1966 stieg Dr. Jörg Mittelsten Scheid ins Unternehmen ein und übernahm drei Jahre später den Posten seines Onkels an der Unternehmensspitze. Nach drei Jahren holte er sich erstmals zwei Nichtmitglieder der Inhaberfamilie an seine Seite: Günter Busch (1927–2012) und Bernd Balders wurden zu persönlich haftenden Gesellschaftern. Während sich Vorwerk bis Ende der 60er Jahre auf die Produktion und den Vertrieb seiner Staubsauger und Teppiche konzentriert hatte, wurde mit Beginn der 70er Jahre weitere Produktfelder erschlossen: Die Küchenmaschine Thermomix kam 1971 auf den Markt, 1974 folgten die Einbauküchen – außerdem wurden verschiedene weitere Firmen gegründet und gekauft.

Vorwerk heute: 611.000 Mitarbeitern in 60 verschiedenen Ländern

Portrait des Familienunternehmens Vorwerk, bekannt für seine Staubsauger.

Die Unternehmensleitung der Vorwerk-Gruppe: Reiner Strecker, Frank van Oers und Walter Muyres (v.l.) – alle drei sind persönlich haftenden Gesellschafter.


Mit Beginn des 21. Jahrhunderts erfolgte bei Vorwerk eine Umstrukturierung. Vorwerk kaufte weitere Firmen (u.a. LUX Asia Pacific von Electrolux) und übernahm 2004 den US-Kosmetikhersteller JAFDRA Cosmetics. Anfang Dezember 2011 folgte die Eröffnung eines ersten Vorwerk-Shops in Hamburg. Seit Januar 2013 ist die Vorwerk-Leitung wie folgt aufgestellt: Walter Muyres (Persönlich haftender Gesellschafter), Reiner Strecker (Persönlich haftender Gesellschafter) und Frank van Oers (Persönlich haftender Gesellschafter). Im Vorwerk-Beirat sitzt Familienmitglied Timm Mittelsten Scheid. Vorwerk beschäftigt derzeit 611.000 Mitarbeiter, die in 60 verschiedenen Ländern tätig sind. Mit einem derartigen Erfolg hätten Carl und Adolf Vorwerk bei der Gründung ihrer Firma „Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co.“ 1883 sicher nicht gerechnet.

Fotos: Vorwerk & Co. KG